Im 18. Jahrhundert entdeckten die Adeligen das Reiten als höfischen Zeitvertrieb für sich. Reiten sollte schön aussehen und musste keinen besonderen Zweck erfüllen. In dieser Zeit wurden wichtige Grundsteine für die heutige Reitlehre gelegt.
Die englische Reitweise war jetzt keine „Gebrauchsreiterei“ mehr.
Typisch für die Englische Reitweise ist der dauernde Zügelkontakt zum Pferdemaul und die ständig treibenden Hilfen. Anders als derfallen. klassische Reiter, der nur treibt, wenn das Pferd schneller gehen soll, treibt der „Englisch-Reiter“ bei jedem Schritt, um die Anlehnung (Verbindung von Pferdemaul und Reiterhand über die Zügel) und den Schwung des Pferdes zu erhalten.
Bei dieser Reitweise besteht leider, erst recht beim Turniermäßigen Reiten, die Gefahr, dass das Pferd in ein bestimmtes Schema gepresst wird und dass Pferde, die körperlich nicht dem Ideal des Sportpferdes entsprechen, bei der Ausbildung durch die Maschen fallen.
Das Pferd hat diese und jene vorgeschriebenen Lektionen zu beherrschen, wenn es auf einem gewissen Ausbildungsstand sein soll. Das Bewertungssystem im Dressursport fördert leider noch diese Verallgemeinerung der Pferde und leistet der Kraft-Reiterei «vorne halten, hinten treiben» Vorschub.
Wichtiger als eine vom Pferd losgelassen und zufrieden ausgeführte Lektion ist, dass die Lektion an einem bestimmten Punkt ausgeführt wird. Eine Gangverstärkung muss vor allem spektakulär aussehen; Der angestrebte gymnastizierende Effekt dahinter ist wohl den wenigsten Reitern hinreichend bekannt.